FalknerIn werden – Der Weg zum eigenen Vogel

Es ist so weit, du hast deinen Falknerjagdschein in der Tasche und bist bereit FalknerIn zu werden. Du hast ausreichend, Platz, Zeit und Geld für einen eigenen Beizvogel. In diesem Artikel gebe ich dir einen kurzen Überblick über die drei notwendigen Schritte, die immer vor dem Kauf eines Vogels erledigt sein sollten.

Schritt 1 – MentorIn finden, Vögel in Aktion erleben

Du solltest im Idealfall eine Saison bei einer erfahrenen Falknerin mitgehen. Das ist nicht immer für alle umsetzbar, daher solltest du dann, ein paar Kilometer in Kauf nehme und bei verschiedenen Beizjagden beiwohnen. Es gibt drei große Falknerverbände in Deutschland die im Herbst auf Beizjagden gehen, an denen man auch als Gast teilnehmen kann.
Die Falknerszene ist überschaubar. Gefühlt kennt jeder jeden oder weiß an wen man sich wenden kann. Nutze dieses Netzwerk und vor allem die Chance möglichst verschiedene Vögel bei der Beizjagd auf unterschiedliches Wild zu beobachten.

Selbst wenn man schon Erfahrung im Handling mit Greifvögeln und Falken hat, ist die Jagd an sich nochmal eine ganz andere Hausnummer. Die unterschiedlichen Jagdstrategien von Vogel und Mensch zu erleben ist fantastisch und sehr vielfältig. Selbst das Handling ist von Falkner zu Falknerin unterschiedlich. Natürlich gibt es ein paar klare Grundregeln, die niemand anzweifelt, wie dem Vogel niemals Futter wegzunehmen, aber bei Themen wie Ausrüstung, verwendete Materialien, unterschiedliche Telemetriesysteme scheiden sich die Geister.
Diese Unterschiede begründen sich nicht nur durch die verschiedenen Beizvögel, sondern auch durch die Erfahrungen der einzelnen Falknerinnen und Falkner.

Bei der Begleitung der einzelnen Falknerin erlebst du:

  • Jagdpraxis – Du siehst wie der Vogel fliegt, welche Entfernungen es zu berücksichtigen gibt.
  • Gelände- und Revierkenntnisse – Du verstehst, wie das Gelände aufgebaut ist, wo es Gefahren oder Chancen für den Vogel geben kann.
  • Hunde- und Frettchenarbeit – Die helfenden Tiere direkt im Einsatz zu erleben und das Zusammenspiel der unterschiedlichen Arten zu beobachten ist immer wieder faszinierend
  • Rückruftraining – Welche Strategien werden angewendet um den Beizvogel wieder auf die Faust zu nehmen
  • Telemetrie – Dieser Teil darf nicht erst trainiert werden, wenn sich der Vogel das erste Mal erschrocken hat und nicht direkt zurück kommt.
  • Trainigsmaßnahmen – Wie man den Vogel trainiert und in welchem Zeitraum
  • Wie man Stress und Fehler vermeidet

Schritt 2 – Voliere bauen

Der Vogel mausert, ist verletzt, du fährst in den Urlaub oder wirst einmal krank. Eine Voliere, ist der sicherste Raum für einen Vogel. Nicht nur vor Witterungseinflüssen, sondern auch vor Räubern.

Beim Bau einer Voliere gibt es einige Dinge zu beachten. Du hast in der Ausbildung sicher die Rahmenbedingungen kennen gelernt, aber in der Praxis kommt man dann doch ins Grübeln.

Es gilt zu bedenken, welche gesetzlichen Bestimmungen es in deinem Bundesland gibt. Außerdem gilt es die Mindestmaße aus den aktuellen Haltegutachten umzusetzen. Dieses findest du hier: Haltegutachten.

Grob sollte man folgende Dinge im Auge haben

  • 4–8 m Länge je nach Art des Vogels
  • 2–3 m Breite je nach Art des Vogels
  • 2–3 m Höhe je nach Art des Vogels
  • Frostfreier Schutzraum
  • Witterungsschutz
  • Strukturierung
  • Hygiene & Drainage
  • Sicherung geben Räuber

Kosten: 3.000–10.000 € je nachdem wie handwerklich versiert du bist. Es gibt nämlich auch hünsche Fertiglösungen, aber die haben ihren Preis.

Wie ich meine Voliere geplant und gebaut habe liest du:

Schritt 3 – Falknereiausrüstung

Bevor du den Vogel abholst, musst du mit dem Züchter oder Züchterin besprechen, was zur Abholung mitzubringen ist. Du musst an Transportmöglichkeiten denken, aber auch an Geschüh, Langfessel und eventuell eine Haube. Hier ist ein kleiner Überblick über die Mindestanforderungen.

  • Geschüh
  • Haube (am Besten maßgefertigt)
  • Block- oder Sprenkel
  • Transportkiste
  • Telemetrie (Sender + Empfänger)
  • Waage
  • Messer, Handschuh
  • Erste-Hilfe-Ausstattung

In der Ausbildung hast du gelernt, welche unterschiedlichen Geschüh oder Haubenarten es gibt. Was der Unterschied zwischen Sprenkel und Block ist.

In meinem geschlossenen Mitgliederbereich erzähle ich dir, was und warum ich mich für welche Ausrüstung entscheiden. Wenn du wissen möchtest, welche Dinge ich für mein Falkenweib angeschafft habe und warum, höre unbedingt in die internen Sonderfolge hinein. Meine Einkaufsliste findest du hier: https://www.greifvogel-gefluester.de/2026/05/21/erstausstattung-fuer-meinen-falken-was-man-wirklich-braucht/

Realistische Einschätzung

Die Falknerei übt eine große Faszination aus: die Nähe zu Greifvögeln, die Arbeit in der Natur, das Zusammenspiel zwischen Mensch und Beizvogel. Doch jenseits dieser Bilder steht ein Alltag, der vor allem eines verlangt: Verantwortung, Disziplin und Verlässlichkeit.

Greifvögel sind keine Haustiere und auch keine Hobbytiere. Sie sind hochspezialisierte Wildtiere, deren Wohl und Sicherheit vollständig von der Kompetenz ihrer Falknerin abhängen.

Wer sich für die Falknerei entscheidet, entscheidet sich für einen Lebensstil, nicht für ein Freizeitprojekt. Die tägliche Pflege, das konsequente Training, die Jagdpraxis, der Umgang mit Wetter, Jahreszeiten, Gesundheit, Rückschlägen und Risiken formen eine Realität, die nur dann erfüllend ist, wenn man sie bewusst, vorbereitet und mit echter Hingabe annimmt.

Falknerei ist:

  • ein Vollzeit-Hobby oder wohl eher eine Passion
  • eine tägliche Verpflichtung
  • körperlich anstrengend
  • mental herausfordernd
  • naturverbunden
  • emotional intensiv

Falknerei ist nicht:

  • ein Fotohobby
  • ein Wochenendprojekt
  • ein Haustierhaltehobby
  • ein Kinderwunsch („Ich will eine Eule haben…“)
  • romantische Idylle

Bevor du deinen Weg zur Falknerin oder zum Falkner einschlägst. Wären folgende Schritte empfehlenswert:

  1. Sammle Praxiseindrücke: mitlaufen, beobachten, Fragen stellen. Nirgendwo lernst du schneller und ehrlicher, wie der Alltag einer Falknerin wirklich aussieht.
  2. Die Jägerprüfung ist die fachliche Grundlage der Falknerei. Sie vermittelt Wildbiologie, Recht, Naturschutz und jagdliche Praxis – Wissen, das du später im Umgang mit Beizvögeln zwingend brauchst.
  3. Wo und wie lebst du? Brauchst du in deinem späteren Revier oder in dem welches du begehen darfst einen eigenen Jagdhund? Ein Frettchen? Hast du auch für diese Tiere ausreichen Platz, Zeit und Budget?
  4. Der Falknerkurs baut meist auf der Jägerprüfung auf und bereitet dich direkt auf die staatliche Falknerprüfung vor.

Bevor der Vogel einzieht sind folgende Schritte empgehlenswert:

  1. Es müssen Volierenmaße, Bauvorschriften und tierschutzrechtliche Vorgaben erfüllt und abgenommen sein. Das ist streng geregelt – und dauert oft länger als gedacht. Hast du bei der Planung an die mögliche Aufstallpflicht gedacht?
  2. Ausrüstung sorgfältig zusammenstellen Geschüh, Haube, Block, Transportkiste, Telemetrie, Waage – die Grundausrüstung muss hochwertig, sicher und auf den Beizvogel abgestimmt sein. Hier lohnt sich Qualität und Beratung durch erfahrene Falkner.

Mit diesen Grundlagen, klar definiertem Jagdrevier und einer realistischen Einschätzung deiner Fähigkeiten startest du verantwortungsvoll in die erste Saison.

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