Folgeninhalt: Niederwildschutz
In dieser Folge spreche ich mit Paul Hovestadt über die Bedeutung des Niederwildschutzes in Deutschland und warum Arten wie Rebhühner und Fasane besonders gefährdet sind. Wir beleuchten die Herausforderungen, die die moderne Landwirtschaft für das Niederwild mit sich bringt, und diskutieren, wie Jäger, Landwirte und Naturschützer gemeinsam handeln können, um die Bestände zu stabilisieren. Erfahre wie jeder Einzelne zur Erhaltung dieser wichtigen Tierarten beitragen kann und warum auch Niederwild ein wesentlicher Bestandteil der Biodiversität ist.
Der Niederwildschutz zählt heute zu den zentralen Herausforderungen im deutschen Offenland. Arten wie Rebhuhn, Fasan, Hase oder Wildkaninchen waren über Jahrhunderte feste Bestandteile unserer Kulturlandschaft. Sie prägten nicht nur die Jagdkultur, sondern dienten auch als Indikatoren einer gesunden Biodiversität. Doch in vielen Regionen Deutschlands sind sie inzwischen selten geworden – mancherorts sogar nahezu verschwunden. Im Interview wird betont, dass die Zukunft der Falknerei unmittelbar davon abhängt, wie gut es gelingt, diese Arten zu erhalten und ihre Lebensräume zu stabilisieren.
Der folgende Beitrag beleuchtet ergänzend die Ursachen des Rückgangs, zeigt wirksame Schutzmaßnahmen auf und erklärt, warum Falknerinnen und Falkner eine wichtige Rolle im modernen Niederwildschutz spielen.
Was Niederwild ausmacht – und warum sein Schutz entscheidend ist
Unter Niederwild versteht man eine Gruppe von Arten, die typischerweise in offenen Kulturlandschaften leben: Rebhuhn, Fasan, Hase, Wildkaninchen sowie verschiedene Feldvögel und Kleinsäuger. Diese Arten teilen bestimmte ökologische Ansprüche: Sie benötigen mosaikartige Lebensräume mit Deckung, Nahrung und Rückzugsflächen. Traditionell waren sie in strukturreichen Agrarlandschaften weit verbreitet – dort, wo extensiv bewirtschaftete Felder, Hecken, Säume, Brachen und Kleingewässer eine vielfältige Mischung bildeten.
Heute gelten viele dieser Arten als „Leitarten“ für den Zustand der offenen Landschaft. Wo das Rebhuhn nicht mehr vorkommt, ist meist auch der ökologische Zustand der Landschaft massiv gestört. Deshalb gilt Niederwildschutz nicht nur als jagdliches Interesse, sondern als wichtiger Bestandteil des allgemeinen Artenschutzes.
Für die Falknerei spielt das Niederwild eine besondere Rolle: Ohne stabile Niederwildpopulationen verliert die Beizjagd ihre traditionelle Grundlage. Falknerinnen und Falkner sind daher seit jeher nicht nur Jäger, sondern auch engagierte Naturschützer, die Lebensräume beobachten, pflegen und schützen.
Warum Niederwild verschwindet – ein Blick auf die wichtigsten Ursachen
Die Gründe für den Rückgang des Niederwildes sind vielfältig und verstärken sich gegenseitig. Einer der maßgeblichen Faktoren ist die intensive landwirtschaftliche Nutzung vieler Regionen. Monokulturen, große Schlaggrößen, der Verlust von Hecken und Säumen sowie eine immer frühere und häufigere Mahd führen dazu, dass den Niederwildarten kaum noch geeignete Lebensräume zur Verfügung stehen. Was früher eine abwechslungsreiche Kulturlandschaft war, ist heute vielerorts ein homogener Produktionsraum, in dem Deckung wie Nahrung gleichzeitig fehlt.
Hinzu kommt das dramatische Insektensterben. Viele Niederwildarten – insbesondere Rebhühner und Fasane – benötigen während der Kükenphase große Mengen an Insekten als Eiweißquelle. Wenn diese fehlen, überleben die Jungtiere kaum die ersten Wochen. Die Insektenarmut wirkt daher unmittelbar auf die Reproduktionsfähigkeit dieser Arten.
Ein weiterer bedeutsamer Faktor ist die zunehmende Prädation. Gerade in ausgeräumten Landschaften können Prädatoren wie Füchse, Marder, Waschbären und Rabenvögel einen überproportional starken Einfluss auf Bodenbrüter ausüben. Studien zeigen, dass insbesondere Rabenkrähen und Füchse in manchen Regionen hohe Gelegeverluste verursachen. Im Interview weißt Paul Hovestadt darauf hin, dass Prädation mittlerweile nachweislich ein wesentlicher Einflussfaktor ist – besonders dort, wo Lebensräume bereits stark beeinträchtigt sind.
Auch Krankheiten wirken sich massiv aus. Das Wildkaninchen etwa leidet unter RHD2 und Myxomatose, die ganze Bestände innerhalb weniger Monate auslöschen können. In manchen Landesteilen gibt es kaum noch stabile Kaninchenpopulationen, obwohl das Kaninchen früher als häufigste Wildtierart im Offenland galt. Zusätzlich beeinflusst die Vogelgrippe zunehmend die Bestände verschiedener Vogelarten, direkt wie indirekt.
Nicht zuletzt tragen Verkehr, Flächenversiegelung und die Zerschneidung von Lebensräumen dazu bei, dass Niederwild vielerorts kaum noch Rückzugsräume findet. Was früher miteinander verbundene Biotope waren, sind heute isolierte Reste, die nur schwer dauerhaft stabile Populationen tragen können.
Die Rolle der Falknerei im Niederwildschutz
Falknerinnen und Falkner sind in der Natur unterwegs, kennen Revierstrukturen, Bestandsentwicklungen und nehmen Veränderungen war.
Eine wichtige Aufgabe ist das Monitoring: Die frühzeitige Erkennung von Krankheiten – vom Kaninchenfieber bis zu RHD2 – gelingt FalknerIn oft durch geübte Beobachtung. Sie pflegen engen Austausch mit Untersuchungseinrichtungen und leisten damit einen wichtigen Beitrag zum Greifvogel- und Niederwildschutz darstellt .
Hinzu kommt die praktische Biotopverbesserung. Viele FalknerIn arbeiten mit LandwirtInnen und JägerInen zusammen, um Blühflächen, Heckenstreifen, Altgrasbereiche oder Wasserstellen zu schaffen. Solche Maßnahmen erhöhen die Überlebensraten von Rebhuhn, Fasan und Kaninchen spürbar. Niederwildschutz ist eine Gemeinschaftsaufgabe, die Landwirtschaft, Jägerschaft und Falknerei vereint.
Auch die Vergrämung spielt eine Rolle: Mit Beizvögeln lassen sich Rabenvögel oder invasive Arten wie Nilgänse gezielt und tierschutzgerecht aus bestimmten Bereichen fernhalten. Das kann Bodenbrütern wie Rebhuhn und Kiebitz unmittelbar zugutekommen.
Wie Niederwildschutz gelingt – Maßnahmen, die wirklich wirken
Wissenschaftliche Projekte wie jene der Universität Göttingen zeigen, dass sich Niederwildbestände bereits dann deutlich erholen können, wenn zwei Faktoren zusammenkommen: erstens eine Verbesserung des Lebensraums, und zweitens eine wirksame Prädatorenregulierung. Besonders effektiv sind vernetzte Blühflächen und Altgrasstreifen, die mindestens 8–10 % der Fläche einnehmen. Sie bieten Deckung, Insekten und Rückzugsmöglichkeiten. In Verbindung mit regulierter Prädation steigt die Chance auf erfolgreiche Bruten erheblich.
Doch es müssen nicht immer groß angelegte Projekte sein. Schon kleine Maßnahmen – jede Hecke mehr, jeder Altgrasstreifen, jeder insektenfreundliche Garten – trägt zur Stabilisierung der Arten bei. Niederwildschutz lässt sich auf jeder Ebene realisieren: im eigenen Garten, durch ehrenamtliche Mitarbeit im Revier, durch politische Beteiligung oder durch Beteiligung an Verbandsarbeit.
Was jede/r Einzelne tun kann
Niederwildschutz beginnt vor der eigenen Haustür. Dazu gehört, Grünflächen weniger häufig zu mähen, insektenfreundliche Pflanzen auszubringen oder kleine Biotope zu schaffen. Wer Zugang zu Revieren hat, kann Hecken pflegen, Säume stehen lassen, Wasserstellen anlegen oder sich am Prädatorenmanagement beteiligen. Und wer keinen direkten Zugang zur Jagd hat, kann dennoch Einfluss nehmen – durch Engagement in Projekten, in Verbänden oder durch politische Beteiligung.
Entscheidend ist: Niederwildschutz funktioniert nur gemeinsam. LandwirtInnen, JägerIn, FalknerIn und NaturschützerIn müssen an einem Strang ziehen, damit sich populationsstarke und gesunde Bestände entwickeln können.
Der Verlust des Niederwildes ist ein Warnsignal. Er zeigt, wie sehr unsere Landschaftsstrukturen unter Druck stehen und wie dringend Maßnahmen notwendig sind, um Artenvielfalt und ökologische Stabilität zu erhalten.
Niederwildschutz ist daher weit mehr als jagdliches Interesse. Er ist ein Beitrag zur Bewahrung unserer Kulturlandschaften, zur Zukunft der Beizjagd und zur Sicherung der biologischen Vielfalt.
Je früher wir handeln und je mehr Menschen sich beteiligen, desto größer ist die Chance, diese faszinierenden Arten und ihre Lebensräume zu erhalten.
Interesssante Links: https://www.rebhuhnschutzprojekt.de/praedation.html


